Die Wespe namens Wanda

Ich hätte mir selbst nicht gedacht, dass ich einmal eine Lanze für die Wespenviecher breche, aber wie das so ist, manchmal ändern sich Perspektiven.

Zwar nerven sie mich unglaublich am Balkon beim Eis essen. Und Bier. Das muss sowieso akribisch bewacht werden – nicht selten endet das Ganze mit einem Besteck-im-Glas-Herumgefuchtel. Aber auch Bienen kämpfen gegen ihre optische Schwester: Regelmäßig versuchen Wespen Honig aus dem Stock zu stibitzen – was sie meistens mit dem Leben bezahlen. Wir beobachten derzeit regelmäßig Zweikämpfe vorm Stockeingang, Biene gegen Wespe. Honigsammlerin gegen Zwetschkenkuchendiebin. Maja gegen Böse?

Jetzt, wofür gibt’s Wespen, fragt man sich da. Ganz einfach: Sie sind ein (zugegeben manchmal lästiger) Teil des Systems Natur. Sie kümmern sich um altes Holz, verwesende Tiere bearbeiten sie auch – sie sind ein bisschen wie Ameisen in der Luft und sind beispielsweise auch eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse. Sie können auch Blüten bestäuben, auch wenn sie dafür nur mäßig optimale Werkzeuge haben.

Die Hauptsorte, die wir meistens (wortwörtlich grrrr) zu Gesicht bekommen, bilden übrigens ebenfalls Staaten wie Bienen, wenn auch „personell“ kleiner angelegt (etwa ein Fünftel der Größe eines Bienenstaates – immer noch ein paar Tausend). Wie im Bienenvolk organisieren auch sie sich arbeitsteilig, allerdings überwintern sie nicht gemeinsam, das Nest löst sich vorher auf. Es überleben nur wenige junge Wespenköniginnen.

Meistens ist genau das auch der Zeitpunkt, wo sie einen hohen Lästigkeitsgrad erreichen: Wenn sich im Spätsommer die großen Nester auflösen und die Arbeiterinnen alleine auf Nahrungssuche durch die Gegend fliegen.

Denen am Balkon gebe ich neuerdings Namen und denk mir, arme Wespe Wanda, bist du also gerade in einer Umbruchphase und musst ein bisschen nerven. Dann geht’s schon viel besser.

2 Gedanken zu “Die Wespe namens Wanda

  1. Die Wespen sind eine Plage. Im Sommer hatten sie einen Großteil der Äpfel schon auf dem Baum angefressen, wodurch diese bald verfault sind. Wir konnten nur einen gringen Teil der Sommeräpfel ernten und essen.

    In unserem Garten stehen 2 neue Bienenvölker aus einem Kunstschwarm gebildet. Diese Völker sind noch relativ schwach und können das Eindringen von Wespen kaum abwehren – im Stock bedienen sie sich an den Futtervorräten.

    http://www.blog.de/srv/media/media_item.php?item_ID=8657424

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    1. Ja stimmt, der milde Winter hat angeblich viele Jungköniginnen überleben lassen, wodurch es heuer besonders viele waren. Und im Obst mag man sie wirklich auch nicht haben – vielleicht hilft es, bereits faulige Äpfel relativ früh zu sammeln und alle an einem Ort, wo die Wespen nicht stören, aufzulegen. Vom süßlichen Duft angelockt, würde das „gesunde“ Obst in Ruhe gelassen werden und am morschigen können sich die Wespen bedienen. Dann wären Mensch und Wespe weitgehend ungestört (zumindest in der Theorie?).

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